Jutta Rosenkranz

 

Lesungen und Vorträge

 

"Wer wirft unser Herz vor uns her...?"

Rainer Maria Rilke auf Reisen

Rainer Maria Rilke (1875-1926), der zu den wichtigsten Lyrikern des 20. Jahrhunderts zählt, war ein ruhelos Reisender. Er suchte die Heimat in der Fremde. Doch machte der Dichter keine Urlaubs- oder Erholungsfahrten, sondern blieb oft mehrere Wochen oder Monate in einer Stadt und einer Landschaft, um deren Atmosphäre in sich aufzunehmen. Seine Reisen waren Lehrjahre des Sehen-Lernens und bildeten die Grundlage für seine Fähigkeit, das Geschaute mit Worten zu gestalten. „Wunderlich ist es zu reisen: Was hab ich alles gesehen. Dabei noch nicht mal gut gesehen, nur so eben hin; wenn man nun erst richtig schaute und reiste, was müßte dabei herauskommen...“ Wichtig für Rilkes künstlerische Entwicklung waren vor allem Italien, Russland, Frankreich und Spanien. Seine Briefe und Gedichte dokumentieren auf eindrucksvolle Weise seinen Weg des Sehen-Lernens zu poetischer Meisterschaft. Ohne die Erfahrungen und Bilder seiner Reisen hätte Rilke nicht das Werk schaffen können, das ihn berühmt machte.

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"Man sieht durch die Wörter immer die Seele"

Virginia Woolf und die Balance zwischen Leben und Schreiben

Virginia Woolf (1882-1941) gilt neben Marcel Proust und James Joyce als wichtigste Vertreterin der literarischen Moderne. Sie brach mit der konventionellen Erzähltradition des realistischen Romans und versuchte durch die Technik des inneren Monologs Traum, Gedanken und Erinnerungen parallel zum zeitlichen Geschehen darzustellen. In ihren Romanen zeigt sie, dass die Höhepunkte des Lebens nicht immer Geburt, Heirat und Tod sind, sondern verborgen unter den gewöhnlichen Ereignissen des Alltags liegen. Die Autorin ist eine Meisterin in der Darstellung flüchtiger Augenblicke und innerer Vorgänge. Es gelingt ihr, kaum fassbare Momente des Daseins in Worten festzuhalten. "Ich fühle die Zeit dahinrasen wie einen Kinofilm. Ich versuche, sie anzuhalten. Ich spieße sie mit der Feder auf."

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„...alle Arten des Lebens ausprobieren"

Die neuseeländische Schriftstellerin Katherine Mansfield

Das Schreiben, die Liebe und ihre labile Gesundheit standen im Mittelpunkt des unruhigen Lebens der neuseeländischen Schriftstellerin Katherine Mansfield (1888-1923). Mit neunzehn Jahren verließ sie die provinzielle Enge ihrer Heimat und zog nach London, um ihren Weg als Frau und Künstlerin zu finden. Die Schriftstellerin gilt als Begründerin der modernen Kurzgeschichte. Durch die sensible Darstellung von Stimmungen und scheinbar unbedeutenden Alltagsmomenten zeigt sie die Brüchigkeit des menschlichen Daseins. Im Alter von 29 Jahren erkrankte Katherine Mansfield an Tuberkulose und reiste - auf der Suche nach Heilung – durch Europa. „Ich bitte ja nur um Zeit, (...) meine Bücher zu schreiben. Dann macht es mir nichts aus, sterben zu müssen.“ Ihre Briefe und Tagebücher dokumentieren auf eindrucksvolle Weise ihr widersprüchliches Wesen, ihre aufreibenden Beziehungen und ihre Hoffnungen, Ängste und Zweifel. Diese autobiographischen Aufzeichnungen faszinieren - wie ihre Erzählungen - noch heute durch ihre Unmittelbarkeit und Authentizität.

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„Deiner Seele Schritt war leise neben mir...“

Das englische Dichterpaar Elizabeth Barrett und Robert Browning

Die abenteuerliche Geschichte einer großen Dichterliebe im 19. Jahrhundert

Elizabeth Barrett-Browning (1806-1861) war eine der berühmtesten Dichterinnen des 19. Jahrhunderts, die nicht nur in Europa Anerkennung fand, sondern auch in Amerika. Sie gehörte zu den ersten Autorinnen, die sozialkritische Gedichte schrieben und als Frau und Künstlerin unabhängig sein wollten. Ihr abenteuerliches Leben sorgte damals für Aufsehen. Schwerkrank lebte sie im Haus ihres despotischen Vaters, das sie nicht verlassen konnte. Durch einen Briefwechsel lernte sie 1845 den Dichter Robert Browning kennen und lieben, wurde wieder gesund, heiratete ihn heimlich und floh mit ihm nach Italien, wo beide viele Jahre glücklich zusammen lebten. Die Briefe, die diese Liebe spiegeln, faszinieren noch heute durch ihren offenen und ehrlichen Ton und gehören zu den spannendsten und berührendsten des 19. Jahrhunderts. Elizabeth Barrett-Brownings Liebesgedichte fehlen auch heute in keiner Anthologie englischer Lyrik. Sie zählen zu den schönsten der Weltliteratur. In Deutschland wurden sie in der Übertragung von Rainer Maria Rilke Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt:

Wie ich dich liebe? Laß mich zählen wie.
Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit,
als meine Seele blindlings reicht, wenn sie
ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit.

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"Wie Sprache der Heimat rauscht mir dein Wasser" (Heine)

Das Meer im Spiegel der Literatur

Heinrich Heine, der sich selbst zum 'Hofdichter der Nordsee' ernannte, war einer der ersten, der die Poesie des Meeres beschrieb. Die Beziehung zwischen Mensch und Meer ist der rote Faden, der sich durch die Meeres-Dichtung zieht. Seine große Anziehungskraft beruht auf den Gegensätzen, dem ständigen Wechsel von Ebbe und Flut, Sturm und Stille, Gefahr und Gelassenheit. Ob man die Wellen vom Ufer aus beobachtet oder sich bei einer Schiffsreise der weiten, unberechenbaren Wasserlandschaft aussetzt, das Meer fordert zu unterschiedlichster Betrachtung und Meditation heraus. Autoren aus aller Welt - Heinrich Heine, Marcel Proust, Joseph Conrad, Virginia Woolf, Thomas Mann, Albert Camus, Pablo Neruda, Marie-Luise Kaschnitz, Max Frisch u.a. - schildern das faszinierende Nebeneinander von Licht, Farben, Wind und Wellen in Lyrik und Prosa.

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Letzte Gedichte

Dichter der Welt nehmen Abschied vom Leben

Letzte Worte von Schriftstellern und Künstlern übten schon immer einen besonderen Reiz auf die Nachwelt aus. Gerade Dichter haben sich dem Rätsel des Todes seit Jahrtausenden schreibend genähert. Mit Gelassenheit und Schmerz, Angst und Humor fassen Alexander Puschkin, Heinrich Heine, Theodor Fontane, Joachim Ringelnatz, Else Lasker-Schüler, Bertolt Brecht u.a. in beeindruckenden Versen das Unfassbare in Worte. Die Gedichte spiegeln die verschiedenen Emotionen und Reaktionen auf eines der letzten Geheimnisse unseres Daseins. Rainer Maria Rilke setzte sich zwei Wochen vor seinem Tod poetisch mit der lange verdrängten Krankheit Leukämie auseinander. Hermann Hesse starb nur wenige Stunden nachdem er die dritte Fassung seines letzten Gedichtes fertiggestellt hatte. Letzte Gedichte sind nicht immer traurig, sondern zeigen auf eindrucksvolle Weise die vielfältigen Facetten der Reflexion über den eigenen Tod und können – ironisch, weise, religiös oder realistisch – auch Trost geben. 

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"Ich schreib allein / weil eine Stimme in mir ist, die will nicht schweigen" (Sylvia Plath)

Lyrikerinnen international

Ein poetischer Querschnitt der Werke großer Dichterinnen aus aller Welt von der Renaissance bis zur Gegenwart: Emily Dickinson, Marianne Moore, Sylvia Plath., Anne Sexton, Rita Dove, Elizabeth Barrett-Browning, Edith Sitwell, Gabriela Mistral, Louise Labé, Marceline Desbordes-Valmore, Leslie Kaplan, Edith Södergran, Inger Christensen, Judith Herzberg, Annette von Droste-Hülshoff, Else Lasker-Schüler, Ingeborg Bachmann, Sarah Kirsch, Anna Achmatowa, Marina Zwetajewa, Bella Achmadulina, Wislawa Szymborska, u.a.

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"Edith Piaf: Nein, ich bereue nichts" 

Musikeinspielungen bekannter, aber auch seltener Piaf-Chansons und kurze Film-Ausschnitte, in denen man die Sängerin noch einmal auf der Bühne sehen kann, ergänzen den Vortrag.

Der Titel eines ihrer berühmtesten Chansons (Non, je ne regrette rien) war auch Edith Piafs Lebensmotto. Mit ihrer einzigartigen, kraftvollen Stimme gelang ihr eine märchenhafte Karriere von der Straßensängerin zur Königin des französischen Chansons. Ihr Leben war ein ständiges Auf und Ab zwischen Musik, Alkohol, Drogen, Krankheiten und der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Besessen und perfektionistisch in ihrer Arbeit konnte sie privat humorvoll, hilfsbereit und spontan, aber auch rücksichtslos, verschwenderisch und dominant sein. Als Vorbild taugte Edith Piaf nicht. Sie war maßlos beim Singen, im Leben und in der Liebe. Die Widersprüchlichkeit ihres Charakters macht einen Teil der Faszination aus, die bis heute von dieser zerbrechlich wirkenden, nur 1,47 Meter kleinen Frau ausgeht. Als Edith Piaf im Oktober 1963 - nur 47jährig - starb, folgten vierzigtausend Menschen ihrem Sarg. 

 

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